Stand: 5. März 2025
Kinder sollen sich sicher und selbständig auf dem Schulweg bewegen können – da sind sich Eltern, Politik, Polizei und Schulen einig. Dennoch kommt es vor den Schulen in Preetz allmorgendlich zu einem regelrechten Verkehrschaos durch viele, in kurzer Zeit vorfahrende Elterntaxis. Während das eigene Kind gut geschützt bis vor den Eingang der Schule gefahren wird, werden selbständig zu Fuß, mit dem Roller oder dem Fahrrad ankommende Kinder und Jugendliche durch die unübersichtlichen Straßensituationen massiv gefährdet. Es braucht dringend eine Lösung für das Problem.

Unser Ziel ist es nicht, Elterntaxis oder gar Autos im Allgemeinen abzuschaffen. Es gibt viele Gründe, warum Eltern ihre Kinder mit dem Auto bringen. Unser Ziel ist, dass andere Kinder und Jugendliche dabei nicht gefährdet werden.
Eine gute Lösung wäre es, wenn alle Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto bringen, ihre Kinder in der weiteren Umgebung absetzten. Die Schüler*innen meisterten den Schulweg auf den letzten paar Hundert Metern alleine und der Nahbereich der Schule bliebe frei von vielen Autos. Viele Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto bringen, beherzigen dies bereits. Bei einem Teil der Eltern verhallen jedoch selbst die Appelle der Schulleitungen und der Polizei. Auch Angebote wie Elternhaltestellen in der Umgebung werden von vielen genutzt, beheben das Grundproblem vor den Schulen aber leider nicht.
Schulstraßen öffnen die Straße für die Schüler*innen
Schulstraßen, also rund um den Unterrichtsbeginn und das -ende für Elterntaxis gesperrte Nebenstraßen an Schulen, stellen eine preisgünstige und vielfach etablierte Maßnahme zur Verbesserung der Verkehrssicherheit für Kinder und Jugendliche dar. Die Straßen werden so für die Schüler*innen geöffnet.
Schulstraßen werden bereits seit langem in den Niederlanden, gerade in den letzten Jahren aber auch in anderen Ländern wie Großbritannien und Österreich umgesetzt. Auch in Deutschland findet das Konzept zunehmend Verbreitung. Die Erfahrungen sind sehr positiv und das Konzept findet eine steigende Verbreitung.
Schulstraßen-Aktionen an der Friedrich-Ebert-Schule
Aufgrund der positiven Erfahrungen haben wir als Kidical Mass Preetz die Initiative ergriffen um auch in Preetz einmal Schulstraßen auszuprobieren. Zunächst haben wir uns auf die Friedrich-Ebert-Schule konzentriert, an der ohne Frage die schwierigste Verkehrssituation vorherrscht.
Erstmals in der ersten Novemberwoche 2022 wurde im Lohmühlenweg eine temporäre Schulstraße zur Erprobung des Konzepts eingerichtet. Vom 1. bis 4. November wurden zwischen 7:20 und 8:00 Uhr Elterntaxis aus dem Lohmühlenweg verbannt. Während der angemeldeten Demonstrationen postierten sich an den Enden der Straße (Ecke Ragniter Ring und Ecke Am Jahnplatz) Teams, die alle einfahrenden Elterntaxis ansprachen, die Aktion erläuterten und darum baten, in dieser Woche nicht in den Lohmühlenweg einzufahren. Die direkte Ansprache zeigte Wirkung, von Tag zu Tag versuchten weniger Eltern, in den Lohmühlenweg einzufahren. Auch am letzten Tag „überprüften“ jedoch nicht wenige Eltern offenbar im Vorbeifahren, ob der Lohmühlenweg wieder „frei zugänglich“ ist.

Viele Elterntaxis nutzten alternative Haltemöglichkeiten im Umfeld der Schule. Augenscheinlich kam es an keiner Stelle in der Umgebung zu deutlichen Verkehrsbehinderungen oder Gefährdungen der Schüler*innen.
Auch in 2023 und 2024 wurden entsprechende Schulstraßen-Aktion durchgeführt.
Schlussfolgerungen
Die Schulstraßen-Aktionen haben dazu geführt, dass keine Elterntaxis in den Lohmühlenweg einfuhren. Aus einer während der Bringzeit intensiv befahrenen Straße wurde temporär eine ruhige Anliegerstraße, auf der Schulkinder zu Fuß, mit Roller und Fahrrad trotz mangelhafter Belagsqualität, sehr schmaler Gehwege und fehlender Querungshilfen sicher die Schule erreichen konnten. Ebenso blieb ein Verkehrschaos an anderen Stellen aus.
Die Schulstraßen-Aktion erfuhr bei den Schüler*innen und sehr vielen Eltern großen Zuspruch. Außerdem ist diese auch von den Lehrkräften und Anwohner*innen sehr positiv aufgenommen worden, da auch diese durch Elterntaxis behindert werden.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass der Lohmühlenweg zur Einrichtung einer Schulstraße sehr gut geeignet ist. Eine Schulstraße wäre für die Schüler*innen, aber auch für Anwohner*innen und Lehrer*innen ein großer Gewinn.
Ausführliche Infos zur Aktion mit Ergebnissen, Erkenntnissen und Schlussfolgerungen sind hier zusammengefasst: Fazit der ersten Schulstrassen-Aktion an der Friedrich-Ebert-Schule
Eine Zusammenfassung der Ergebnisse und konkrete Infos dazu, wie an der Friedrich-Ebert-Schule und an den weiteren Schulen in Preetz Schulstraßen umgesetzt werden könnten, gibt es hier: Faktencheck Schulstraßen in Preetz
Wie geht es weiter?
Wir als Kidical Mass setzen uns weiter dafür ein, dass im Lohmühlenweg dauerhaft eine Schulstraße eingerichtet wird und sind hierzu mit der Stadtverwaltung im Gespräch. Rein rechtlich ist dies möglich, allerdings ist der Weg aktuell noch kompliziert.
Wir haben deshalb eine Petition beim Landtag eingereicht, damit Schulstraßen künftig in Schleswig-Holstein leichter eingerichtet werden können. Es soll auch erreicht werden dass weitere Maßnahmen, die die Schulwegesicherheit erhöhen, umgesetzt werden können, sichere und überdachte Abstellanlagen geschaffen werden und Schleswig-Holstein eine Bundesratsinitiative startet, um Schulstraßen in ganz Deutschland zu etablieren.
Was ist mit den anderen Schulen in Preetz?
Auch im Castöhlenweg, in dem sich das Friedrich-Schiller-Gymnasium und die Theodor-Heuss-Gemeinschaftsschule befinden, sind verschiedene Gefahrenstellen, zum Beispiel an den Querungsstellen aus dem Wehrberg heraus, bekannt und auch hier bestehen erhebliche Probleme mit Elterntaxi-Verkehr. Dies war bereits in der „Rad-AG“ der Stadt Preetz, die zwischenzeitlich eingestellt wurde, vor mehr als einem Jahrzehnt immer wieder Thema und wurde demzufolge auch im Mobilitätskonzept aufgegriffen. Die Stadt hat jüngst eine Fahrradzone eingerichtet bzw. die bestehende Fahrradstraße erweitert und durch einen modalen Filter (Poller) ergänzt. In diesem Zusammenhang ist auch die Kreuzung am Eingang zum Wehrberg durch umfangreiche Markierungsarbeiten entschärft worden.
Die Maßnahmen haben erheblich zur Entspannung insbesondere im Kreuzungsbereich am Wehrberg beigetragen. Jedoch haben die Maßnahmen auch im Castöhlenweg die Probleme mit Elterntaxis nicht gelöst. Durch die bereits bestehende Fahrradzone und dadurch, dass es am südlichen Ende des Castöhlenwegs keine Anwohner*innen gibt, wäre eine Schulstraße z.B. als Fahrradstraße mutmaßlich leichter umzusetzen als im Lohmühlenweg. Die aktuelle Freigabe für den Kfz-Verkehr könnte entsprechend zeitlich zum Schulanfang und -ende eingeschränkt werden, mit entsprechender Freigabe für den Bus- und Lehrkraftverkehr. Es müsste jedoch zwingend der Birkenweg als Parallelstraße mit betrachtet werden, denn auch hier ist die Verkehrssituation bereits jetzt schon zeitweise angespannt. Eine Maßnahme im Castöhlenweg hätte möglicherweise eine Verschärfung im Birkenweg zur Folge.
An der Hermann-Ehlers-Grundschule sind die Schulwegeprobleme und das Elterntaxi-Problem geringer ausgeprägt als an den anderen Preetzer Schulen. Jedoch kommt es auch an verschiedenen Stellen in der Umgebung der Hermann-Ehlers-Schule bedingt durch die vielen in kurzer Zeit an den genutzten Haltepunkten vorfahrende Autos zu schwierigen Verkehrssituationen. Behinderungen durch Elterntaxis treten insbesondere in der Carl-Friedrich-Gauß-Straße auf.
Aufgrund der aktuellen temporären Sperrung des großen Parkplatzes verschärfen sich auch die Probleme mit schwierigen Verkehrssituationen durch Elterntaxis sehr stark. Hier arbeitet die Stadt Preetz bereits gemeinsam mit der Schule daran, durch die Ausweisung von Elternhaltestellen für die Zeit der Sperrung entgegenzuwirken. Hier wird sich noch zeigen, ob die eingeleiteten Maßnahmen wirken oder die Reduktion der Stellplätze in der Summe doch zu groß ist.
Der im Vergleich zu anderen Stellen in Preetz recht breite Gehweg an der Max-Planck-Straße und der große, von den Hauptwegen der Kinder getrennte Parkplatz (sofern geöffnet) sorgen an der Hermann-Ehlers-Schule insgesamt für eine bessere räumliche Trennung von zu Fuß, mit dem Roller oder Fahrrad ankommenden Kindern und Elterntaxis als an den anderen Preetzer Schulen. Aus unserer Sicht und auch aus Sicht vieler Eltern sind jedoch auch an dieser Schule Verbesserungen erforderlich. Beispielsweise müssen alle Bus- und Hortkinder (Hort am Kindergarten) die einzige Ampel nutzen, dafür müssen sie vom Schulhof den für den Radverkehr freigegebenen Fußweg kreuzen, andere steigen dort in Busse ein, wieder andere gehen nach Hause. Da verlieren gerade junge Grundschulkinder schnell die Übersicht. Hier wären Schulwege-Sicherungsmaßnahmen wie die Klärung der räumlichen Verhältnisse durch Markierungs- und Lenkungsmaßnahmen und vor allem eine deutlicher Ausbau der Anzahl der Querungshilfen im Nahbereich der Schule sinnvoll.
Wer ist in Preetz für die Schulwegesicherheit zuständig?
Anregungen und Hinweise in Sachen Schulwegesicherheit können auch direkt an die zuständige Stelle für Schulewegesicherheit der Stadt Preetz übermittelt werden.
Zuständig für Umsetzung von Maßnahmen in Preetz ist das Mobilitätsmanagement bzw. das Sachgebiet 2.
Für Geschwindigkeitskontrollen, Verkehrszeichen und sonstige Verkehrsangelegenheiten ist die Abteilung für Verkehrsangelegenheiten im Kreis Plön zuständig.
Wie werden Schulstraßen in der Praxis eingerichtet?
Schulstraßen sind temporär für den motorisierten Verkehr gesperrte Straßen im Nahbereich von Schulen mit dem Ziel, sogenannte Elterntaxis zu verbannen. Das deutsche Straßenverkehrsrecht kennt den Begriff der Schulstraße nicht, es gibt also, anders als z.B. in Österreich, kein Verkehrszeichen „Schulstraße“. Die Umsetzung erfolgt meist durch ein Verbot für Kraftfahrzeuge (Zeichen 260), ein Verbot der Einfahrt (Zeichen 267) oder auch durch Ausweisung einer Fußgängerzone oder Fahrradstraße. Die Anordnungen sind üblicherweise temporär, also auf die Zeiträume des Schulbeginns und -endes während der Schultage begrenzt (meist je für 30 Minuten).
Das Verfahren läuft üblicherweise über einen sogenannten „Verkehrsversuch“, das heißt die Maßnahmen werden für einen begrenzten Zeitraum probeweise angeordnet (übliche Laufzeiten betragen 6 bis 12 Monate) und wissenschaftlich evaluiert. Ein Verkehrsversuch kann, z.B. wenn sich unerwünschte Auswirkungen ergeben, jederzeit vorzeitig abgebrochen werden. Bei Erfolg kann die Anordnung verstetigt werden. In der Regel ist hierfür eine Teileinziehung nach dem Straßenrecht erforderlich (ein rechtlicher Verwaltungsvorgang, wie er z.B. auch für Fußgängerzonen angewendet wird).
Oftmals ist es erforderlich, dass die Schulstraße durchgängig für Anwohnende, Lehrkräfte und weitere Gruppen geöffnet bleibt. Dies kann durch entsprechende Zusatzschilder, z.B. „Bewohnende frei“, „Bewohnende und Schulpersonal mit Berechtigung frei“, „Zufahrt zu privaten Stellplätzen frei“ usw. gewährleistet werden. Auch die Ausstellung von Ausnahmegenehmigungen oder Berechtigungsscheinen ist möglich. In Köln reicht zum Nachweis ein Ausweisdokument mit entsprechender Wohnanschrift.
Im Folgenden haben wir einige Beispiele von dauerhaft bestehenden Schulstraßen in Deutschland zusammengetragen, in denen auf verschiedene Art und Weise die Öffnung für Anwohnende und andere Gruppen realisiert wurde. Weitere Infos und Beispiele gibt es in unserem Faktencheck Schulstraßen in Preetz.
In Köln gibt es insgesamt vier Schulstraßen, die nach abgeschlossenen Verkehrsversuchen dauerhaft durch Teileinziehung bestehen. Sie sind durch ein Verbot der Einfahrt (Zeichen 267) realisiert (Zeiten je nach Schule etwas unterschiedlich, meist 7:45 – 8:15 Uhr und 14:45 – 15:15 Uhr). Menschen mit Ausnahmegenehmigung und Bwohner*innen (Nachweis per Ausweisdokument mit Wohnanschrift ausreichend) können weiterhin ein- und ausfahren.
In Dresden wurde eine Schulstraße nach abgeschlossenem Verkehrsversuch durch Verbot für Kraftfahrzeuge (Zeichen 260) mit Ausnahme für Bewohner*innen realisiert (Zeiten: 7:00 – 8:00 und 15:00 – 16:00 Uhr).
In Ulm besteht eine dauerhafte Schulstraße, ebenfalls nach abgeschlossenem Verkehrsversuch, durch Verbot der Einfahrt (Zeichen 267) in Verbindung mit „Zufahrt zu privaten Stellplätzen frei“. Zusäztlich gibt es Ausnahmegenehmigungen für Berechtigte.
Rechtsgutachten und Leitfaden zu Schulstraßen
Handfeste Infos dazu, wie man Schulstraßen einrichten kann, gibt es in Form eines Rechtsgutachtens der Kidical Mass Bundesinitiative: https://kinderaufsrad.org/rechtsgutachten-schulstrassen/. Ein Leitfaden zeigt, wie die Umsetzung gelingt: https://kinderaufsrad.org/download/10305/?tmstv=1726332630.
Konkrete Infos zu den Problemen in Preetz und den Möglichkeiten der Einrichtung von Schulstraßen allgemein und an Preetzer Schulen gibt es im Faktencheck Schulstraßen Preetz.
Mehr Infos zu Schulstraßen gibt es auf folgenden Seiten:
https://www.strasse-zurueckerobern.de/anleitungen/mit-schulstrassen-sicher-unterwegs-so-gehts/
https://kidicalmasskoeln.org/wir-wollen-schulstrassen-in-koeln-2/
https://www.wienzufuss.at/schulstrasse/
https://www.zu-fuss-zur-schule.de/
Infos zu realisierten Schulstraßen (Beispiele, nicht abschließende Liste):
Pilotprojekt Schulstraßen Köln
Verkehrsversuch Rosenmaarschule Köln-Höhenhaus
Verkehrsversuch Schulcampus Hennef
Elterntaxi-Bannmeile Elisabethschule Osnabrück